Kurz vorweg, weil es die wichtigste Entscheidung ist: In Südtirol könnt ihr standesamtlich, kirchlich oder frei heiraten. Standesamtlich und kirchlich ist die Ehe in Deutschland und Österreich gültig. Die freie Trauung ist schöner zu planen, aber rechtlich nichts wert. Dafür geht ihr vorher zuhause aufs Standesamt. Die meisten Paare von auswärts, die ich fotografiere, machen genau das.
Drei Wege zum Ja
Standesamt in Südtirol
- Im Rathaus oder in einem Saal, den die Gemeinde dafür freigibt
- Ehe gilt in Deutschland und Österreich
- Papiere vorher besorgen, manche Gemeinden sind streng
- Termin und Ort gibt die Gemeinde vor
Kirchlich
- In Italien als Konkordatsehe auch zivilrechtlich gültig
- Wunderschöne Kirchen, vom Brixner Dom bis zu Bergkapellen
- Der Pfarrer vor Ort muss zustimmen
- Evangelisch: zuerst standesamtlich heiraten
Freie Trauung
- Fast überall möglich: Alm, Weingut, Schlossgarten
- Eigene Worte, eigener Ablauf, keine Uhrzeit vom Amt
- Keine Papiere aus Italien nötig
- Rechtlich verheiratet seid ihr erst nach dem Standesamt
Wenn ihr mich fragt: Für die meisten Paare aus Deutschland oder Österreich ist die Kombination am entspanntesten. Ein kleiner Termin auf dem Standesamt zuhause, und dann die große Feier mit freier Trauung in Südtirol, an einem Ort, den ihr euch aussucht und nicht das Amt. Wie das genau abläuft, steht im Artikel zur freien Trauung in Südtirol.
Wo es für Auswärtige gerade eng wird
Südtirol ist als Hochzeitsort so beliebt geworden, dass einige Gemeinden nicht mehr hinterherkommen. Laut einer Umfrage der Tageszeitung Dolomiten, über die im Juli 2026 auch deutsche Medien berichtet haben, gelten in diesen Orten Einschränkungen für Paare, die nicht dort wohnen:
- Völs am Schlern: höchstens fünf internationale Trauungen pro Jahr
- Lana: traut praktisch nur noch Einheimische, die Gemeinde nennt fehlendes Personal als Grund
- Eppan: doppelte Gebühr für Paare, die nicht dort wohnen
- Nals: Trauungen für Auswärtige gesammelt am Donnerstagnachmittag
- Kaltern: der Samstag ist grundsätzlich für Einheimische reserviert
Heißt das, ihr könnt dort nicht heiraten? Nicht unbedingt. Aber ihr solltet zuerst die Gemeinde fragen und erst danach die Location fix buchen. Andersrum gibt es sonst böse Überraschungen. Für eine freie Trauung gelten diese Regeln übrigens nicht, die findet ja nicht auf dem Amt statt.
Der Fahrplan
- Datum, Location, FotografBeliebte Samstage im Sommer sind früh weg. Location und Fotograf zuerst, der Rest lässt sich drumherum bauen. Wenn ihr noch keine Location habt: Hier ist meine Übersicht mit 30 Hochzeitslocations in Südtirol.
- Bei der Gemeinde anfragenNur wenn ihr in Südtirol standesamtlich heiratet: Termin, Trausaal und die Regeln für Auswärtige klären. Bei einer freien Trauung jetzt den Trauredner suchen.
- Papiere zuhause beantragenEhefähigkeitszeugnis beim Standesamt eures Wohnorts, dazu internationale Geburtsurkunden. Fragt, wie lange die Dokumente gültig sind, damit sie am Hochzeitstag nicht abgelaufen sind.
- Unterlagen nach SüdtirolDie Gemeinde sagt euch, bis wann sie alles braucht und ob Übersetzungen nötig sind. Trauzeugen und, falls nötig, Dolmetscher festlegen.
- Ja sagenUnd dann bitte nicht ständig aufs Handy schauen. Dafür bin ich da.
- Heiratsurkunde und NameGleich internationale Heiratsurkunden bestellen. Die Ehe kann ins deutsche Eheregister eingetragen werden, den gemeinsamen Namen erklärt ihr beim deutschen Standesamt.
Mein ehrlicher Tipp: Plant die Uhrzeit der Trauung nach dem Licht, nicht nach dem Mittagessen. Eine Trauung um 16 Uhr im September gibt euch danach die schönste Stunde des Tages.
Gabriel Höllrigl, Hochzeitsfotograf aus NaturnsDiese Papiere braucht ihr fürs Standesamt in Italien
Für Paare, bei denen keiner in Italien wohnt. Die genaue Liste gibt euch die Gemeinde – fragt dort immer zuerst nach.
- BeideGültiger Reisepass oder Personalausweis
- BeideInternationale Geburtsurkunde (mehrsprachiges Formular, vom Geburtsstandesamt)
- BeideEhefähigkeitszeugnis – in Deutschland vom Standesamt eures (letzten) Wohnsitzes, sind beide deutsch, reicht eines für euch zusammen
- Falls schon mal verheiratetScheidungsurteil oder Sterbeurkunde, je nach Gemeinde mit Übersetzung
- Am Tag selbstZwei volljährige Trauzeugen, bei Bedarf ein Dolmetscher
Ein Vorteil, wenn ihr beide nicht in Italien wohnt: Der Aushang des Aufgebots fällt laut Merkblatt des Auswärtigen Amts weg. Aus Österreich besorgt ihr das Ehefähigkeitszeugnis über euer Standesamt, die Infos dazu stehen auf oesterreich.gv.at.
Häufige Fragen
Kann man als Deutsche oder Österreicher in Südtirol standesamtlich heiraten?
Ja. Die Ehe ist in Deutschland und Österreich gültig. Ihr braucht unter anderem ein Ehefähigkeitszeugnis und internationale Geburtsurkunden. Einige Südtiroler Gemeinden haben Trauungen für Auswärtige aber eingeschränkt. Fragt deshalb zuerst bei der Gemeinde nach, in der ihr heiraten wollt.
Ist eine freie Trauung in Südtirol rechtlich gültig?
Nein. Eine freie Trauung ist eine Zeremonie ohne rechtliche Wirkung. Rechtlich verheiratet seid ihr erst nach der standesamtlichen (oder in Italien auch kirchlichen) Trauung. Viele Paare heiraten deshalb vorher zuhause auf dem Standesamt und feiern in Südtirol frei.
Brauchen wir in Südtirol einen Dolmetscher?
In Südtirol ist Deutsch Amtssprache. Fragt bei der Gemeinde, ob die Trauung auf Deutsch stattfinden kann. Wer kein Deutsch oder Italienisch spricht, braucht bei der standesamtlichen Trauung in Italien einen Dolmetscher.
Wie viele Trauzeugen braucht man in Italien?
Bei der standesamtlichen Trauung in Italien braucht ihr zwei volljährige Trauzeugen.
Wie früh sollten wir mit der Planung anfangen?
Für einen Samstag im Sommer etwa 12 bis 18 Monate vorher. Das gilt für die Location genauso wie für Fotograf, Musik und Trauredner. Die Unterlagen fürs Standesamt kommen später, plant dafür trotzdem ein paar Monate ein.
Quellen: Merkblatt Eheschließung in Italien des Bundesamts für Auswärtige Angelegenheiten / Generalkonsulat Mailand; Heidelberg24 vom 13.07.2026 (nach einer Umfrage der Dolomiten); gardasee.de. Ich bin Fotograf, kein Anwalt – verbindlich ist immer, was eure Gemeinde sagt.
